Winter in England

Letztes Wochenende hatten wir hier sehr viel Glück mit dem Wetter. Das herausragende Wetter fiel aufs Wochenende, anders als die Woche zuvor, wo es zwei Tage grau war. Am Samstag gings mit dem Fahrrad durch die Chiltern Hills nach Norden. Die Hügel der Chiltern Hills fangen nördlich von St. Albans an, sind allerdings auf ihrer Südseite recht unscheinbar. Erst beim Betrachten der lokalen Flüsse und Bäche auf einer Karte fiel mir das erste Mal auf, dass es nach Norden etwas nach oben geht. Auf der Nordseite hingegen ist der Beginn (oder das Ende) der Hügelkette deutlich zu sehen.

Panorama des Blicks von den Dunstable Downs nach Norden (Anklicken zum Vergrößern)

Panorama des Blicks von den Dunstable Downs nach Norden (Anklicken zum Vergrößern)

Das war das erste Mal seit dem letzten Umzug, dass ich auf einer Radtour einen guten Ausblick hatte. Hinter der Kante geht es relativ steil reichlich 100m nach unten. Der Wind kam von Norden und eignete sich offensichtlich sehr gut zum Drachen steigen und Gleitschirm fliegen. Allerdings waren dadurch die 0°C auch sehr unangenehm, so dass ich froh war, als ich die Fotos fertig hatte und die Handschuhe wieder anziehen konnte.

In der Nacht brachte der Wind dann Wolken mit Niederschlägen. Dadurch hielt es mich auch am Sonntag morgen nicht zu Hause und knapp 20 Stunden nach dem obigen Bild entstand dieses hier:

Winterlandschaft in England

Winterlandschaft in England

Sie viel Schnee fällt hier nur einmal alle paar Jahre, deutlich über 10 cm sind zusammen gekommen.

Da es so viel Schnee hier nur selten gibt, wird entsprechend wenig Winterdienst vorgehalten, so dass Straßen nur sehr spät geräumt werden. Auf der Hauptstraße zwischen St. Albans und Harpenden habe ich mehrere Leute auf der Straßen laufen gesehen, weil es erstens in den Spurrinnen einfacher zu laufen ging und zweitens so langsamer und so wenig Verkehr war, dass das ziemlich ungefährlich (als Fußgänger) war. Mit dem Fahrrad habe ich diese Straße immer gemieden, weil einen normalerweise mehr als 5 Autos in der Minute überholen. Die wenigen Autos fühlten sich auch seltsam an als ich durch die Stadt ging. Es gibt hier Stellen, wo es sich immer staut oder wo man ewig warten muss, bis man mal die Straße überqueren kann, nicht so am Sonntag. Schön war auch, dass es so viel ruhiger in der Stadt war, es sollte viel mehr schneien.

Zusätzlich hat mich am Abend noch die Uni überrascht, aufgrund der Witterungsbedingungen blieb sie am Montag geschlossen. Morgen soll sie aber wieder auf sein.

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Blue Planet

Nachdem die BBC letztes Jahr die Doku Planet Earth II ausgestrahlt hat (hier hatte ich darüber geschrieben), gibt es dieses Jahr wieder eine großartige Dokumentation: Blue Planet II zeigt beeindruckende Szenen aus den Ozeanen. Auch diese Doku wird wieder von David Attenborough präsentiert. Bisher habe ich erst zwei Episoden gesehen, aber die zweite hatte so viele beeindruckende Informationen, dass ich meine Begeisterung jetzt schon teilen möchte:

  • Tauchen entlang eines Eisbergs
  • Haie, die vermutlich nur einmal im Jahr fressen
  • so viel Leben selbst in 1 km Wassertiefe und darunter. Und so viel seltsam aussehende Tiere, zum Beispiel Fische, die Laufen können
  • Hydrothermale Quellen und Schwarze Raucher welche extrem dicht besiedelt sind
  • Seen aus extrem salzigem Wasser, welche sich am Ozeanboden bilden und an deren Ufer sich wiederum Leben sammelt

Die Doku ist eine gute Aufheiterung an einem grauen Novembertag.

Finden kann man die Doku hier: http://www.bbc.co.uk/programmes/p04tjbtx. Planet Earth II konnte man nicht einfach von außerhalb des Vereinigten Königreichs ansehen, ich befürchte, dass wird auch immer noch so sein. Mit einem Browser Addon für VPN Verbindungen sollte sich das jedoch umgehen lassen.

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Nicht den Schildern vertrauen

Bei der Radtour am Wochenende kam ich an folgendem Schild vorbei (oder an drei Schildern, erst mal ist aber nur das untere interessant):

Von hier aus sind es also noch 7.25 Meilen bis nach Hause. Allerdings sieht man auf dem Bild noch ein weiteres Schild ein paar Meter weiter entlang des Pfades. Und auf dem Schild sieht alles anders aus:

Nach Carston ist es jetzt plötzlich doppelt so weit, dafür sind die anderen beiden Ziele im Durchschnitt eine Meile näher gekommen (1.25 Meilen entspricht 2 km).

Das Rätsel welche Angabe richtig(er) ist, kann ich aber nicht auflösen. Ich bin der Radroute 6(61) gefolgt und kam schließlich in St. Albans an. Aber vielleicht vergleiche ich beim nächsten Mal mit meinem Tacho.

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Fahrradlicht

Etwas, was mir positiv aufgefallen ist, ist dass hier fast jedes Fahrrad mit funktionierendem Licht herum fährt. Wobei das auch ein wenig daran liegen könnte, dass meine Route entlang unbeleuchteter Strecken führt und man dort ohne Licht nicht wirklich vorwärts kommt. Einige Radfahrer haben es mit dem Licht jedoch übertrieben, bzw. es nicht ordentlich installiert, so dass es zu weit nach oben strahlt. Und daher wird man jeden Tag mehrfach von deren Fernlicht geblendet. Und es ist wirklich so hell wie Fernlicht, so dass man während der Begegnung für ein paar Sekunden nahezu blind ist.  Das letzte Stück auf der Straße ist dahingehend angenehmer, die Lichter der Autos blenden nicht, da sie ordentlich ausgerichtet sind und nicht nach oben strahlen.

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Ausflüge in die Umgebung

Letztes Wochenende habe ich zwei Radtouren zu nahe gelegenen Zielen gemacht. Dabei war das Wetter recht gut, es gab einiges an Sonne, ein paar Wolken aber keinen Regen. Und es war auch nicht besonders windig. Ich glaube der Herbst war hier weniger windig als in Deutschland. Die farbenfrohen Blätter machten es zu schönen Touren.

Am Samstag ging es entlang zweier stillgelegter Eisenbahnstrecken nach Bayfordbury um einen Blick aufs das dortige Observatorium der Uni zu werfen. Allerdings war es wirklich nur ein Blick, da vom öffentlich zugänglichem Bereich nur wenig von den Gebäuden zu sehen ist. Aber ich hoffe, dass ich irgendwann nochmal für etwas längere Zeit hinkomme. Beim Rückweg folgte ich dann vorwiegend schmalen Straßen. Die Landschaft hier ist recht hügelig, es ging immer leicht bergauf und bergab.

Am Sonntag machte ich mich zum Flughafen nach Luton auf. Auch dabei ging es wieder Teilweise entlang einer stillgelegten Eisenbahnstrecke. Bisher habe ich damit vier der stillgelegten Strecken (teilweise) befahren. Die Strecken sind alle relativ kurz, kürzer als 20km und waren Abstecher von den Hauptlinien, die von London nach Norden führen. Die verlinkte Karte zeigt die vielen Hauptstrecken nördlich von London, sowie noch einige der jetzt stillgelegten Nebenlinien. Teilweise sind die Strecken asphaltiert, aber auch auf kiesigen Abschnitten lässt es sich gut fahren.

Luton selber hat mir nicht gefallen, das was ich gesehen habe, war keine schöne Stadt.  Beim Umfahren des Flughafens waren einige Hügel zu überwinden, etwas was ich nicht erwartet hatte. Normalerweise sind Flughäfen ja auf flachem Terrain. Der Rückweg war dann wieder auf schmalen Landstraßen. Diese haben für gewöhnlich dichte Hecken auf beiden Seiten. Das macht es sehr grün, aber dafür auch etwas schwieriger in die Ferne zu schauen und manchmal ist auch nicht Mal genug Platz für Fahrrad und Auto nebeneinander, so dass man auch hin und wieder am Rand warten muss. Aber da nicht viel Verkehr auf diesen Strecken ist, hält sich das in Grenzen.

 

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Beobachtung in England

Seit langer Zeit habe ich mal wieder für ein paar Stunden beobachtet. Dafür musste ich diesmal nicht einmal meinem Schlafrhythmus umstellen. Allerdings habe ich auch nur einen einzigen Stern beobachtet. Letzten Freitag war das Wetter klar und unser experimenteller Spektrograph so weit konfiguriert, dass gute Daten aufgenommen werden konnten. Dementsprechend haben wir die Chance genutzt und das Teleskop auf die Sonne gerichtet.

Disclaimer: macht das nicht zu Hause! Mit bloßem Auge in die Sonne schauen ist gefährlich, und wenn man mit einem Teleskop in die Sonne schaut führt das definitiv zum Verbrennen der Netzhaut und damit zum Erblinden!

Das Licht der Sonne wurde dann mit einer optischen Faser zum Spektrograph im Labor eine Etage tiefer geleitet. Die optische Faser kann man sich tatsächlich wie ein Kabel für Licht vorstellen. (Fasern finden massenweise Anwendung, zum Beispiel ist dieser Text teilweise durch Glasfaserkabel transportiert wurden, bevor er bei euch auf dem Bildschirm erscheint).

Kleines Teleskop auf dem Dach der Uni. Das orange "Kabel" ist dabei die optische Faser.

Kleines Teleskop auf dem Dach der Uni. Das orange „Kabel“ ist dabei die optische Faser.

Das obige Foto konnte ich bequem vom Schreibtisch in meinem Büro aufnehmen. Allerdings ist es aufgrund der Bauweise des Gebäudes ein etwas längerer Weg zum Teleskop, insgesamt sind 4 Türen und zwei Treppen zu bewältigen.

Am Freitag habe ich also fleißig Daten von der Sonne aufgenommen und bin jetzt dabei diese auszuwerten. Da sich der Aufbau des Spektrographen noch im experimentellen Bereich befindet, sind die Daten vor allem dafür da, um die Eigenschaften des Spektrographen genauer zu bestimmen. Und ein erster Blick auf die Daten deutet darauf hin, dass die nächste Woche wieder arbeitsreich und voller (interessanter) Probleme sein wird.

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The Farthest

Am Montag waren wir zu „The Farthest“ im Kino. Schon das Kino an sich war toll, es hatte etwas von dem, was ich mir unter einem Kino in den goldenen Zwanzigern vorstelle. Im Unteren Bereich des Saals gab es Plätze mit Tischen und eine Bar im Kinosaal. Durch die Tische hatte man angenehm viel Platz zum Beine ausstrecken. Und trotzdem sind die Tickets preiswerter als in den großen Kinos in Wimbledon und Wandsworth.

Odyssey Kino in St. Albans: Kinosaal mit Tischen und Bar

Odyssey Kino in St. Albans: Kinosaal mit Tischen und Bar

Aber nicht nur das Ambiente war gut, die Dokumentation war ebenfalls großartig. Ich habe jede Menge gelernt, von der Planung der Voyager-Missionen über den Bau und Start der Sonden und natürlich über die besuchten Planeten des äußeren Sonnensystems (und einige ihrer Monde). Die Berichte der Leute, die am Bau und der Datenauswertung dabei waren hat die Doku besonders interessant gemacht. Dadurch war sie auch sehr emotional, sowohl bei den Entdeckungen, als auch bei den technischen Probleme (welche das aus der Mission bedeutet hätten). Der emotionale Charakter war etwas, dass ich nicht vermutet hätte. Es war beeindruckend, was mit der Technik der Siebziger erreicht wurde. Die Sonden funktionieren immer noch und senden Daten zur Erde.

Durch die Voyager-Sonden ist unser Wissen über das Sonnensystem stark erweitert wurden. So viel Wissen, welches ich in meiner Ausbildung als lang gegeben gesehen habe, war vor 40 Jahren noch völlig unbekannt. Uranus und Neptun waren bis dahin nur von der Erde aus zu beobachten und daher nur ein kleiner Fleck im Teleskop. Erst die Sonden haben aufgelöste Bilder zurück gesendet und den Wissenschaftlern jede Menge Dinge zum Grübeln gegeben. Bis zu den Voyager-Sonden gab es nur von einem Mond im Sonnensystem detaillierte Aufnahmen, heute sind über Hundert bekannt. Und die meisten davon sind deutlich interessanter als der Erdmond.

Da die Sonden das Sonnensystem verlassen, sind sie zwei der wenigen Dinge, die auf lange Sicht gesehen (Milliarden Jahre) von unserer Zivilisation übrig bleiben werden. Auch das finde ich faszinierend. Die Wahrscheinlichkeit ist winzig, aber vielleicht findet ja jemand die Goldenen Schallplatten. Zudem hat Voyager I uns mit einem Blick zurück eine sehr ungewöhnliche Sichtweise auf unseren Planeten ermöglicht:

Porträt der Planeten des Sonnensystems aufgenommen von einer Stelle 40 Mal weiter entfernt von der Sonne als die Erde (NASA, Voyager 1)

Porträt der Planeten des Sonnensystems aufgenommen von einer Stelle 40 Mal weiter entfernt von der Sonne als die Erde (NASA, Voyager 1)

Passend zu dem Bild hat Carl Sagan die richtigen Worte gefunden: „… wenn man es [das Bild] betrachtet, sieht man einen Punkt. Der ist hier. Der ist zuhause. Der sind wir. Auf ihm lebten alle, von denen ihr je gehört habt, jeder Mensch, der je gelebt hat, ihr Leben. Die Gesamtheit aller unserer Freuden und Leiden, Tausende von zuversichtlichen Religionen, Ideologien und ökonomischen Doktrinen, jeder Jäger und Sammler, jeder Held und Feigling, jeder Schöpfer und Zerstörer von Zivilisationen, jeder König und Bauer, jedes verliebte junge Paar, jedes hoffnungsvolle Kind, jede Mutter, jeder Vater, jeder Erfinder und Entdecker, jeder Lehrer der Moral, jeder korrupte Politiker, jeder Superstar, jeder oberste Führer, jeder Heilige und Sünder in der Geschichte unserer Spezies lebte dort auf einem Staubkorn, das in einem Sonnenstrahl hängt.“

Die Doku ist zwei Stunden lang, aber diese vergehen sehr schnell. Während der Vorstellung dachte ich ein paar Mal, dass jetzt alles interessante gesagt wurde und nicht mehr viel kommen kann, aber die darauf folgenden Minuten haben mich jedes Mal eines besseren belehrt.

Der Sternenhimmel auf dem Weg nach Hause hat den Abend gut abgerundet.

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